Vorstellung meiner Zucht
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Geschrieben von: Sven Wagner   
Montag, den 03. Mai 2010 um 18:51 Uhr

Wie alles begann...

Im Jahre 2007 bestand meine damalige Lebensgefährtin darauf, dass wir uns ein Paar, nein, ein paar Wellensittiche anschaffen. Gesagt getan: Erst ein Paar, kurze Zeit später ein Weiteres und so ergab es sich nach einigen Monaten, dass vier Paare bei uns ein angeregtes Leben führten. In mir wuchs der Wunsch, auch mal selbst Nachwuchs zu sehen. Doch es war klar: Einfach so? Das geht nicht!

In Deutschland darf man nur dann brüten lassen, wenn man eine Zuchtgenehmigung besitzt. Auch wenn es nur für ein einziges Mal oder rein für das private Vergnügen ist.

 

Die ersten Küken.

Ich begann also damit, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um die Zuchtgenehmigung zu erhalten. Und ich begann außerdem damit, mir das notwendige Fachwissen anzueignen. Und damit auch alles auf Anhieb klappt, bereitete ich mich entsprechend auf eine Prüfung vor. Im Oktober 2007 absolvierte ich diese Prüfung erfolgreich und nachdem dann auch die zuständige Amtstierärztin nach einer Besichtigung grünes Licht gegeben hatte, folgte im November des selben Jahres der große Schritt zur ersten eigenen Nachzucht von Wellensittichen.

Recht schnell war klar: Es werden zu viele Wellensittiche fürs Wohnzimmer. Ein bis dahin als Computerzimmer genutzter Raum wurde umgebaut. Die Zimmervoliere zog um, es wurde eine spezielle Beleuchtung installiert und statt einer geteilten Voliere baute ich Zuchtboxen von beachtlichen Abmessungen selbst. Natürlich ebenfalls mit spezieller Beleuchtung.

 

Ein Zuchtziel!

Viele Gespräche mit befreundeten Züchtern und Züchterinnen, gleichwohl erfahrene Kollegen wie auch blutige Anfänger wie ich selbst, haben mich darin bestärkt, mir ein Zuchtziel zu setzen. Den Anstoß für meine Entscheidung, Schecken zu züchten, gab mir Michael Hansen, der in Schleswig die Rainbowzucht.de betreibt. Einige ausgewählte Tiere aus seinem Bestand, einige Tiere aus anderen Beständen und ein paar eigene Nachzuchten sind mein Start-Zuchtstamm gewesen. Das war Ende 2008. Im Jahre 2009 konnte ich dann erste ausführlichere Erfahrungen sammeln, war aber noch nicht voll und ganz auf das Ziel ausgerichtet. Mit der laufenden Zuchtsaison 2010 habe ich dann konsequent Paare angesetzt, von denen ich am ehesten das gewünschte Ergebnis erwarten konnte. Enttäuscht wurde ich dabei nicht und so kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass meine Zucht auf dem richtigen Weg ist. Die Jungvögel und deren Aussehen bestätigen mich darin.

Mittlerweile - im Jahr 2011 angekommen - habe ich mein Zuchtziel noch sehr viel weiter konkretisiert und meine Seite darauf ausgerichtet: Ich will Graue Australische Schecken mit Haube züchten und diese "Warbonnets - Die Tapferen der Großen Ebene" möchte ich zu besonders schönen, gesunden, agilen und fröhlichen Tieren heranzüchten. Bislang sind mir nur vereinzelte Graue Schecken bekannt und so denke ich, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich in Deutschland der einzige bin, der ausschließlich diesen Farbschlag züchten will.

 

Die Zuchtanlage

Für die erste Brut reichten noch zwei Nistkästen - einer der benutzt wurde und einer der frisch gereinigt war. Die Voliere im Wohnzimmer war offen, ein Paar brütete, der Rest war wenig bis gar nicht interessiert. Mit der Steigerung der Zahl brütender Paare ging das aber nicht mehr. Und dem Zuchtziel würde freie Koloniebrut zuwiderlaufen. Also habe ich ein Vogelzimmer geschaffen, welches ausschließlich den Vögeln gehört und was - aus Sicht des Amtstierarztes - gleichzeitig Quarantäneraum ist.

Ich verwende hochwertige und leicht zu reinigende Kunststoff-Zuchtboxen der Firma Graf mit Nistkästen aus Holz, die mit auswechselbaren Mulden ausgestattet sind. Das erleichtert die Reinigung ungemein und ist vor allem für die regelmäßige Kontrolle der Nistkästen hilfreich. Jede meiner insgesamt sechs Zuchtboxen ist einzeln beleuchtet (natürlich mit UV-haltigem Licht) und die brütenden Paare haben Sicht- und Rufkontakt zueinander und den frei fliegenden Tieren, die gerade nicht dem Brutgeschäft nachgehen.

 

Die Zucht

Zu Beginn einer Zuchtsaison bereitet man erstmal die Anlage technisch vor. Das heißt verschlissene Nistmulden und Nistkästen werden erneuert und es wird das notwendige Futter beschafft. Die Tiere werden durch sehr reichhaltiges und energiereiches Futter animiert. Nagemöglichkeiten werden angeboten (hier große Korkröhren) um den Bruttrieb zu verstärken. Nach etwa drei bis vier Wochen beziehen die Tiere die Zuchtboxen. Die Nistkästen werden mit Heu ausgestopft, so dass die Henne sich den Kasten förmlich erarbeiten muss. Das Ausräumen der Einstreu im Nistkasten sorgt dann endgültig dafür, dass die Paare durchstarten. Meist dauert es nur wenige Tage, bis die ersten Eier gelegt sind.

Gelegte Eier werden nummeriert und auf einer Karte erfasst, damit das erwartete Schlupfdatum bekannt ist. Täglich frisches Wasser, Körner- und Keimfutter sind sehr wichtig. Vor allem auch Kalk in Form von Pickstein und Sepiaschale sind von Beginn der Vorbereitung an im Freiflug und in den Zuchtboxen verfügbar. Während der folgenden Tage und Wochen werden die Eier immer mal wieder durchleuchtet, um festzustellen, ob sie befruchtet sind und ob die Entwicklung der Küken im Ei voranschreitet. Es ist faszinierend, wenn man beim Durchleuchtet ein Herz von der Größe einer Stecknadelspitze pumpen sieht (Ja, ich werde sicherlich irgendwann ein Video davon anbieten können).

Irgendwann (nach 18 Tagen Brutdauer) schlüpfen dann die ersten Küken und ab dann sind täglich mehrere Kontrollen der Nistkästen angesagt. Der Vorteil bei meiner Zucht ist, dass die Hennen allesamt ausgeglichen sind und nur wenig Scheu vor der Hand haben - die meisten verlassen ihr Gelege oder die Küken sogar nichtmal dann, wenn ich sie anfasse. Den Küken beim Aufwachsen zuzusehen, sie regelmäßig in der Hand zu halten (und sie so früh an mich zu gewöhnen) ist dabei ebenso wichtig, wie das gelegentlich notwendige Reinigen ihrer Beine und Zehen vom Kot. Und natürlich werden die Küken im Alter von 7-10 Tagen beringt.

Sobald die Küken voll befiedert sind und erste Anstalten machen, den Nistkasten zu räumen - oder wenn die Henne bereits ein zweites Gelege beginnt, wird der Nistkasten entfernt und durch eine "Dackelgarage" ersetzt, einem halbierten Nistkasten, der einseitig komplett offen ist. Die Jungvögel nehmen hierunter Unterschlupf, aber die Henne verliert dabei langsam ihren Bruttrieb. Sobald alle Jungvögel selbsständig auf einer Sitzstange sitzen können, wird das Gitter vor der Box entfernt und die Tiere fliegen zusammen mit dem restlichen Schwarm. Dabei wird täglich mehrfach der Kontakt zwischen mir und den Jungvögeln hergestellt, damit sie sich weiter an die Hand gewöhnen. Mit Einsetzen der Jungmauser werden die Tiere immer etwas scheu. Ich respektiere deren Fluchtabstand dann und lasse sie ab diesem Zeitpunkt immer selbst entscheiden, wie weit sie sich mir oder meiner Hand nähern wollen.

Die Vögel danken es mir, in dem sie auch im Freiflug gerne auf meine Hand, meine Schultern oder den Kopf fliegen.

 

Die Abgabe

Junge Wellensittiche sind schön anzusehen und charakterlich formbar. Vielleicht ist das der Grund, warum so viele Leute nach "nestjungen Wellensittichen" verlangen. Meine Wellensittiche müssen, bevor ich sie abgebe, futter- und charakterfest sein. Und das sind sie in der Regel mit 12-14 Wochen. Eine frühere Abgabe kommt nur in besonderen Ausnahmefällen in Frage, eine spätere Abgabe kann auch durchaus mal notwendig sein, etwa wenn ein Tier einfach noch nicht so weit ist.

Und um jegliche Ideen dieser Art gleich im Keim zu ersticken: Ich weigere mich, Wellensittiche in eine Einzelhaltung abzugeben. Auch wenn das mit dem Ziel passiert, den Vogel weiter zu zähmen und später einen Partner zu beschaffen. Meine Vögel sind so handzahm, wie sie es für richtig halten. Sie sind alle die Hand gewohnt und so stabil, dass sie nicht in Panik verfallen wenn man sie doch mal greifen muss. Einige lassen sich problemlos immer greifen, sehr viele kommen freiwillig auf die Hand, einige kommen nicht nur für Leckereien auf die Hand sondern um zu spielen. Einige sind aber auch so zurückhaltend, dass sie allenfalls vorsichtig etwas aus der Hand fressen und seltener ist mal ein Vogel dabei, der überhaupt nicht zur Hand kommen mag. Das ist dann eben so - deshalb ist das Tier aber nicht mehr oder weniger wert als die anderen Tiere. Es ist sein Charakter und vielleicht bedarf es eines besonderen Charakters beim Halter, damit dieser Vogel seine Scheu verliert :-)

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 30. März 2011 um 19:48 Uhr